15. & 16. Schloss und Schlossgärten Wernigerode

Die Wernigeröder Schlossgärten umfassen den ehemaligen Fürstlichen Tiergarten mit dem  Kastanienwäldchen, den Lustgarten und die schlossnahen Terrassengärten. Prachtvolles Zentrum ist das Schloss Wernigerode. In ihrer Vielfalt spiegeln die Wernigeröder Schlossgärten die gartengeschichtliche Entwicklung vom formalen Barockgarten über den Landschaftspark bis hin zu historistischen Höhengärten wider.

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Terrassengärten

Die exponierte Lage auf dem Schlossberg macht das von den Gärten gerahmte Schloss Wernigerode zum Wahrzeichen der Stadt. Entstanden aus einer mittelalterlichen Burganlage, ist es seit 1429 Residenz der Familie zu Stolberg-Wernigerode. Zwischen 1863 und 1885 wurde das ehemals barocke Schlossensemble durch Carl Frühling zu einem historistischen Gesamtkunstwerk umgebaut. Dabei erhielten die schlossnahen Terrassengärten, die sich in die Anlagen auf der großen Freiterrasse und in die Weinterrassen gliedern, den Charakter eines Höhengartens.

Die große Freiterrasse, künstlich auf einem dreiteiligen Tonnengewölbe errichtet, fungiert als Aussichtsplateau in den Harz und als vergrößerter Balkon vor der Schlossanlage. Die Terrasse war mit einer Brunnenanlage ausgestattet und mit formal gegliederten Teppichbeeten gestaltet. Der asymmetrische Grundriss wurde durch Wehrtürme, eine einseitig angelegte Pergola sowie eine mit Bäumen bepflanzte Bastion betont.

Die seit 1520 bestehenden Weinterrassen für Weinanbau und Blumenanzucht gestaltete Carl Frühling  mit terrassenförmig gestuften Aufbau. Prägend sind vor allem die Grotte mit dem „Wilden Mann“ sowie das von blumenberankten eisernen Laubengängen eingefasste Wasserbecken.

Das Schloss wird seit 1930 als Museum genutzt. Dem Schlossinnenhof geben zahlreiche Kübelpflanzen und Sommerblumen sowie die mit Kletterpflanzen berankten Fassaden eine für den Historismus typische exotische Note.

Lustgarten
Die Geschichte des Lustgartens reicht bis in das 16./17. Jahrhundert zurück, als hier bereits ein Renaissance-Garten bestand. Unter Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode begann man Anfang des 18. Jahrhunderts mit den Umbauarbeiten in eine barocke Anlage. Diese war von Westen nach Osten ansteigend terrassiert. Natursteinmauern sicherten die Terrassen und umschlossen den Garten auf der West- und Südseite. Die Orangerie, die Einfassungsmauer mit dem Löwentor, ein Putten-Pärchen sowie eine rekonstruierte Lindenallee mit einigen alten Linden und Kastanien sind letzte Zeugen dieser Zeit.

Zum Ende des 18. Jahrhunderts trennte man sich von 160 Sandsteinfiguren. Statuen und Kübelpflanzen wurden an andere herrschaftliche Höfe verkauft. Hecken und Rabatten, Wege und Terrassenmauern wurden aufgegeben. Um 1830 wurde der Garten in einen englischen Landschaftspark umgewandelt. Ein aus dem Jahre 1870 vorliegender Gestaltungsplan ist heute noch im Wegesystem und in den wesentlichen Parkpartien zu erkennen. Auch die vielen fremdländischen Gehölze – typisch für englische Landschaftsparks – bereichern heute den Altbaumbestand des Gartens.

Bereits 1929 ging der Lustgarten in städtischen Besitz über. Im 2. Weltkrieg teilweise zerstört, wurde er in den 1950er Jahren wiederhergestellt und seit dieser Zeit intensiv für kulturelle Veranstaltungen und als Erholungspark genutzt. Aufwändige Rekonstruktionen werden seit 1992 durchgeführt.

Fürstlicher Tiergarten
1435 wird der Fürstliche Tiergarten erstmals als "Deirgarden" erwähnt. Er befand sich damals im Bereich des Agnesberges, des damaligen Binnigberges. Graf Albrecht Georg zu Stolberg-Wernigerode gründete hier 1568 einen mit Palisaden umzäunten Tiergarten, um darin Wild halten zu können.

Nach Kahlschlag des Areals im Jahre 1595 verlegten die Grafen ihren Sitz nach Stolberg, sodass sich der Bestand erholte. Das Gebiet wurde 1716 wieder als Tiergarten genutzt, nachdem die Grafen ihren Sitz erneut nach Wernigerode verlegt hatten. Dam- und Blesswild wurde aus dem Ilsenburger Tiergarten eingesetzt. Daneben entstanden Lusthäuser für die gräfliche Familie. Jedermann konnte durch den Tiergarten wandern, die Jagd war jedoch der gräflichen Familie vorbehalten.

Seit dem 19. Jahrhundert ist es ein Anliegen, das Gebiet mit seinen Bauwerken, Gedenksteinen und seinem umfangreichen Wegesystem als Ort der Erholung für die Öffentlichkeit herzurichten. Der Fürstliche Tiergarten ist in die Gruppe der "Sentimentalen Landschaftsparks" einzuordnen.

Das Flächennaturdenkmal "Kastanienwäldchen" ist eine dendrologische Kostbarkeit. Auf Grund der klimatisch günstigen Lage wurde Mitte des 18. Jahrhunderts eine Plantage von Edelkastanien angelegt, die bis heute in Teilen vorhanden ist.

Wernigerode ist auch beliebt für seine sehenswerte historische Innenstadt. Bahnfreunde können in Wernigerode in die Harzer Schmalspurbahn einsteigen und mit ihr bis nach Nordhausen oder zum Brocken fahren.


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